Wer ein solches Blatt aus dubioser Quelle in die Hände gedrückt bekommt, fühlt sich nicht unbedingt gezwungen, es zu lesen. In der Buchdruckersprache heißen diese Erscheinungen „Bleiwüste. Man vermisst bei solchen Texten zwischendurch einen geistigen Ruheplatz, wo man sich erschöpft von der bereits durchwanderten Wüste niederlassen kann, um den Schweiß von der Stirn zu wischen. Verständig zu lesen, ist anstrengend, erfordert starke Konzentration, ein beständiges Mitdenken und Abwägen. Weil das Gehirn ein großer Energieverbraucher ist, andererseits aber stets über die Sicherung der Ressourcen wacht, fühlt man sich durch Bleiwüsten eher abgeschreckt. Unwillkürliches Lesen findet nur ausschnitthaft statt, denn diese Botschaft ist durch zuviele Buchstaben verdünnt.
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Wer das liest, kann lesen! – Vom Lesezwang
@ 2012-03-27 – 20:31:10
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Null Nachrichten aus der Teppichhausredaktion
@ 2012-03-26 – 21:59:30
In meinem Kopf wird vermutlich gerade umgebaut. Seit Tagen habe ich das Gefühl, es geht da gar nicht voran. Ich inspiziere natürlich nicht andauernd. Es könnte sein, dass die Arbeiter in der Nacht sogar fleißig werden. Wenn ich tagsüber nachgucke, dann passiert gar nichts. Da steht ein Rohbau mit mehreren Flügeln, aber wie es scheint, sind die Leitungen noch nicht gelegt. Während das Teppichhandels-Unternehmen inwendig umgebaut wird, ist neue Ware nicht zu bekommen, nur ein bisschen Geplauder. Eigentlich hätte ich auch „inwändig“ schreiben können, denn der Umbau passiert ja innerhalb der Wände. „wendig“ und „Wand“ haben sowieso mit „winden“ die gleiche Wortwurzel. Die Wände unserer Vorfahren wurden nämlich aus Zweigen geflochten. Wer behände eine neue Wand winden konnte, der war wendig. Die Bedeutung ist heute noch im windigen Vertreter spürbar. Da ist das Wort abgesunken.
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Brei und Axt – Kurzfassung eines langen Kneipenabends
@ 2012-03-20 – 20:55:29
Gestern Abend traf ich mich mit Freund Shhhhh in unserer Stammkneipe. Sie trägt den schönen Namen „Vogelfrei“. Wir hatten das noch nie an einem Montag gemacht und waren tatsächlich eine ganze Weile die einzigen Gäste. Als ich eintraf, saß S. schon bei einem großen Pils auf seinem Lieblingsplatz in der Ecke, den Rücken zum Fenster, die Tür im Blick und schrieb in sein Notizbüchlein, quasi als vogelfreier Kneipendichter. S. erzählte, dass er vor Tagen tapfer Griesbrei gegessen, in den die Gastgeberin versehentlich das Salzfass geleert hatte.
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Müßiger Wäschesack lässt uns alle Zeit verlieren
@ 2012-03-19 – 17:34:32
Gegen Morgen träumte ich vom Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Er tauchte deutlich vor meinem inneren Auge auf, aber mir wollte partout nicht sein Autor einfallen. Immer wieder drängte sich der Vorname Marcel auf, aber „Marcel“ schien mir zu kräftig für den Autor, den ich doch als schwache Persönlichkeit mir vorstellte. Eine Weile lehnte der Name feixend an der Straßenecke, doch wenn ich ihn erhaschen wollte, entzog er sich zur nächsten Ecke, verschwand ganz, um neckisch einen Fuß, einen Arm oder den Haarschopf hervorzustrecken.
Frustriert träumte ich mir die Google-Suchmaske herbei, gab den Romantitel ein und drückte gespannt auf ENTER.
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Kartoncartoon mit Radfahrer, Schirm und Kasten
@ 2012-03-16 – 19:22:34
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Der Frühling bringt kackfreche Werbemails
@ 2012-03-15 – 18:09:13
Ein seltsamer Ton hat Einzug gehalten in Werbemails, so kumpelhaft, plump vertraulich, so unverschämt. Drei Beispiele aus diesen Tagen zeigen: König Kunde wird nicht mehr ernst genommen. Man lacht hinter seinem Rücken, nimmt ihn überhaupt nicht mehr für voll. Früher war König Kunde eine anonyme Größe. Er ging stolz daher, war unnahbar und wählerisch. Jetzt ist er gewöhnlich geworden; die Krämerseelen und Ladenschwengel wanzen sich dreist an ihn ran, kennen seinen Namen und wissen, was er im letzen Sommer gemacht hat. Kann man so einen gläsernen Menschen noch König nennen und ihm die nötige Achtung erweisen? Offenbar nicht ...
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Tote kaufen keine Bücher – Ethnologie des Alltags
@ 2012-03-13 – 19:13:34
Der Buchantiquar auf der Limmerstraße stellt täglich zwei Regale vor die Tür. Ich hasse das. Denn aus Neugier schaue ich mir immer die Buchtitel an. Hinter mir auf der anderen Straßenseite sagen derweil vielleicht welche: „Ach, guck mal, der arme Mann, wie erbärmlich der mit dem Kopf wackeln muss!“ Ja, aber ich habe nicht etwa einen zwanghaften Tick, sondern die Buchverlage zwingen mich dazu. In ganz Deutschland müssen die Bücherei- und Buchladenbesucher immerzu erbärmlich mit dem Kopf wackeln, was ja neudeutsch Headbangen heißt.
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Übernehmen Sie Verantwortung – Kaufen Sie Backpulver!
@ 2012-03-12 – 18:50:08
„Atommüll muss schnellstens raus hier“, soll Umweltminister Norbert Röttgen bei seinem Besuch im maroden Atomlager Asse gesagt haben. Und hat dabei, wie das Foto zeigt, ganz zuckersüß geguckt.
Ja, prima, aber wohin damit? Vielleicht weiß der Ex-Astronaut Ulrich Walter Rat. Vor gut zwei Wochen hat er noch bei Jauch mit einem wild knatternden Geigerzähler an einem Tütchen Backpulver demonstriert, wie stark die natürliche Strahlung von vermeintlich harmlosen Alltagssachen ist, die manche bei sich in der Küche haben. Wohlwollend hat ihm dabei Atomlobbyist Woglfang (tschuldigung für den Vertipper, es liegt am Backpulver) Clement zur Seite gestanden. Es freute ihn, solch einen Kaspar bei sich zu haben, dem wohl die kosmische Strahlung bei seinem Raumflug die Teile des Hirns verbruzzelt hat, die für das Schämen verantwortlich sind.
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Supi! Weltfrauentag ohne Frauen
@ 2012-03-08 – 12:32:20
BILD, das Pin-up-Fachblatt für Dixiklos und Bauwagen, begeht heute den Weltfrauentag, indem es alle Mitarbeiterinnen freigestellt hat, laut BILD 50 Prozent des Personals. Mit dieser Aktion will BILD „dafür sensibilisieren, dass Männer und Frauen gemeinsam kreativer und leistungsfähiger sind, wir aber viel zu selten darüber nachdenken, dass dies auf der Welt keine Selbstverständlichkeit ist.“
Ohoho, kreativer und leistungsfähiger? Das zu beweisen, müsste BILD aber heute mit halbleeren Seiten erschienen sein, sonst könnte der Schuss in die eigene dicke Hose gehen und Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner auf die Idee kommen, dass man zumindest die Redakteurinnen gar nicht braucht, allein die Büromiezen, Putz- und Klofrauen.
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Vom Nachlass der Hunde – Tretet dAdA rein!
@ 2012-03-04 – 14:37:29
Gestern saß ich am Fluss, bis die Sonne hinter den Dächern der Stadt versank. Die Leine hatte Rückenwind, strömte eilig dahin, und ihr Wasser schien mir nasser als sonst zu sein, weil es viele kleine Wellen schlug. Lebhaft leckte es mit frechen Zungen die Ufer ab. So ein Fluss ist wie ein Organismus. Kurz versuchte ich mich hineinzudenken, wie das wäre, Wasser der Leine zu sein und ungestüm am Ufer zu lecken, um Platz zu machen für mich. Aber der Übermut verging mir bald, als nämlich über die Uferwiese ein Mann mit drei räudigen Hunden daherkam. Der Hundebesitzer hatte die Hunde hinter sich gelassen, wandte ihnen gleichgültig den Rücken zu, und sah folglich nicht, was ich sehen musste. Nacheinander hockten die Köter sich nah am Ufer hin. Gegen die untergehende Sonne sah ich im Schattenriss das unsagbar hässliche Profil kackender Hunde. Das versaute mir nachhaltig die romantischen Ideen in der vorfrühlingshaften Idylle.
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Florida-Wulff kämpft um den Ehrensold
@ 2012-03-03 – 13:24:37
Teppichhaus investigativ – Nicht nur Polizei und Staatsanwalt treiben sich derzeit in Großburgwedel herum. Auch der gewissenlose Teppichhaus-Volontär Hanno P. Schmock will am Einfamilienhäuschen der Wulffs gewesen sein. Gerade habe die Müllabfuhr die Altpapiertonne geleert. Wie dürres Herbstlaub habe der Wind einige Papierfetzen durch die Straße getrieben. Da brauchte Schmock sich angeblich nur zu bücken und aufzuklauben, was der Wind ihm vor die Füße trieb. Teppichhaus Trithemius präsentiert exklusiv seine beiden Fundstücke:
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Plausch mit Frau Nettesheim – Austausch von Artigkeiten
@ 2012-03-01 – 08:06:01
Frau Nettesheim
Warum kramen Sie so hektisch in der Schublade, Trithemius?Trithemius
Wie Sie gerade das Teppichhaus betreten haben, Frau Nettesheim, dachte ich, schnell die Schneebrille! Sonst werde ich von ihrer strahlenden Schönheit geblendet.Frau Nettesheim
Quatschkopp! Sie haben nie eine Schneebrille besessen.Trithemius
Ach, wie wunderbar diese Worte von Ihren Lippen tropfen. Ich liebe die Stellung ihres Mundes beim Spotten. Bitte kommen Sie nicht näher, damit ich in Ihrer wunderbaren Aura nicht verbruzzele.











